Dynamischer Markt für Talente: Jeder zweite Beschäftigte erhält mindestens einmal pro Monat ein Jobangebot

München/Düsseldorf, 19/01/2023

  • Studie von BCG und StepStone mit mehr als 90.000 Befragten weltweit: Deutschlands Arbeitsmarkt so stark in Bewegung wie nur wenige sonst
  • Ein Drittel sucht neuen Job: Vergütung ist hierzulande wichtigstes Wechselkriterium, gefolgt von Work-Life-Balance und Flexibilität
  • Deutsche legen Wert auf Effizienz und Authentizität im Bewerbungsprozess

Der deutsche Arbeitsmarkt ist so stark in Bewegung wie nur wenige andere weltweit: Fast jeder zweite Beschäftigte (47 Prozent) erhält mindestens einmal pro Monat ein Jobangebot. 79 Prozent der Angestellten werden mehrmals im Jahr kontaktiert. Dennoch stufen nur elf Prozent ihre Verhandlungsposition als sehr stark ein, deutlich weniger als im globalen Durchschnitt (19 Prozent). Insgesamt sehen sich hierzulande aber zwei Drittel in einer guten Position. Das sind Kernergebnisse der Studie Decoding Global Talent – The Future of Recruitment der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG), der weltweiten Recruiting-Plattform StepStone und von The Network, dem größten internationalen Netzwerk digitaler Jobplattformen. Dafür wurden im August und September 2022 weltweit knapp 90.000 Arbeitnehmer:innen aus 180 Nationen nach ihren Bedürfnissen und Präferenzen rund um das Thema Karriere befragt, darunter mehr als 4.200 Deutsche.

„Talentknappheit ist eine der größten Herausforderungen für Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt“, sagt Jens Baier, Co-Autor der Studie und Senior Partner bei BCG. „Die Unternehmen sollten handeln: Sie müssen ihren aktuellen und künftigen Personalbedarf verstehen, neue Talentquellen erschließen und Chancen erkennen, zum Beispiel wenn die Konkurrenz Stellen abbaut. Die Personalgewinnung wird zu einer echten strategischen Aufgabe.“

„Die Arbeiterlosigkeit führt zu einem tiefgreifenden Wandel in der Personalgewinnung“, betont Dr. Sebastian Dettmers, CEO von StepStone.„Ohne eine konsequente Digitalisierung und Automatisierung der Recruiting-Prozesse werden Unternehmen schon bald vom Wettbewerb abgehängt werden.“

Gehalt in Deutschland Wechselargument Nummer eins
Mehr als ein Drittel der Beschäftigten sucht aktuell nach einer neuen Stelle, größte Anreize sind dabei eine spannendere Aufgabe oder eine höhere Position. 46 Prozent sind nicht von sich aus auf der Suche, wären aber bei einem attraktiven Angebot bereit, den Arbeitgeber zu wechseln. Unter den in Deutschland Befragten ist das ausschlaggebende Kriterium bei der Entscheidung für einen neuen Job das Gehalt (29 Prozent), gefolgt von der Work-Life-Balance (22 Prozent) und Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und Arbeitszeiten (20 Prozent).

„Beim Jobwechsel wollen die Deutschen Klarheit in puncto Bezahlung“, sagt StepStone-CEO Dettmers. Während im globalen Schnitt 30 Prozent in einer Stellenausschreibung zuerst nach der Bezahlung schauen, sind es in Deutschland 42 Prozent. „Unternehmen sollten in Ausschreibungen transparent mit dem Thema Gehalt umgehen – so lässt sich der Prozess effizienter gestalten, und die Bewerber erkennen sofort, ob es sich für sie lohnt.“

Work-Life-Balance statt Führungsposition
Gefragt nach dem idealen Karriereweg, geben zwei Drittel der Deutschen (global 69 Prozent) an, dass sie sich einen sicheren Job wünschen, der gleichzeitig genug Zeit für Familie, Freundeskreis und Hobbys lässt. Darauf folgt mit 43 Prozent der Wunsch nach einer interessanten Tätigkeit mit spannenden Produkten, Technologien oder Dienstleistungen. Eine Führungsposition übernehmen wollen hingegen nur 31 Prozent – das sind zehn Prozentpunkte weniger als im globalen Durchschnitt. „Die Unternehmen müssen ihre Personalgewinnung auf die Perspektive der Talente abstimmen. Sie müssen die spezifischen Präferenzen der Arbeitnehmer:innen verstehen, ihr Wertversprechen anpassen und ihre Recruiting-Prozesse umstellen“, sagt Jens Baier, BCG-Senior-Partner.

Die deutschen Arbeitnehmer:innen haben sich offenbar an das hybride Arbeitsmodell gewöhnt: Knapp drei Viertel geben an, bevorzugt sowohl im Büro als auch von zu Hause aus zu arbeiten (74 Prozent). Das sind 20 Prozentpunkte mehr als im internationalen Vergleich. Den Menschen ist einerseits der persönliche Kontakt vor Ort wichtig, andererseits legen sie Wert auf mehr Flexibilität durch Homeoffice, wie die Studie zeigt. Die klassische Fünftagewoche bleibt das bevorzugte Modell, das gilt für 72 Prozent der Befragten in Deutschland (global für 75 Prozent). Hierzulande möchten jedoch überdurchschnittlich viele Menschen in Teilzeit tätig sein (23 Prozent, weltweit 16 Prozent).

Auffällig ist auch die Sensibilität der Arbeitnehmer:innen in Deutschland, wenn es um den Bewerbungsprozess geht. Für vier von fünf Befragten heben sich Arbeitgeber erfolgreich ab, wenn sie ihnen ehrlich gegenübertreten und nicht zu viel versprechen. Wenig überraschend ist im Land der Ingenieur:innen, dass die Menschen einen schnellen und reibungslosen Prozess mit schneller Rückmeldung sehr zu schätzen wissen (79 Prozent). 71 Prozent der Befragten würden ein attraktives Stellenangebot ausschlagen, wenn es im Interview zu diskriminierend empfundenen Fragen kommt die Chemie nicht stimmt. Arbeitgeber sollten daher besonders darauf achten, welches Bild von sich sie den Bewerber:innen vermitteln. Wertschätzung und Schnelligkeit sind dabei hierzulande absolute Erfolgsfaktoren.

Weitere Ergebnisse und Grafiken finden Sie hier zum Download.

Über die Studie

Für die Studie Decoding Global Talent haben StepStone, die Boston Consulting Group (BCG) und The Network (ein von StepStone mitbegründeter globaler Zusammenschluss führender Online-Jobbörsen in 130 Ländern) im August und September 2022 insgesamt rund 90.000 Arbeitnehmer:innen aus 180 Nationen befragt. Schwerpunkte der Onlinebefragung waren unter anderem die Bereitschaft, den Job zu wechseln, die wichtigsten Kriterien dafür sowie die allgemeinen Präferenzen am Arbeitsplatz.